Was ist effizienter? Individuelles Coaching oder Fortbildung in der Gruppe? (Teil 1 von 2)

von Gudrun Jay-Bößl

In dieser Folge geht es um die Ziele, Themen und Ihre soziale Rolle bzw. Status im Unternehmen. Fortsetzung folgt!

Ziel- und Themenabhängigkeit: Wo wollen Sie hin?

Was genau möchten Sie lernen oder verändern?

Ein Seminar zum Thema Storytelling zum Beispiel ist als Gruppenformat sehr geeignet, weil Sie von den Geschichten der Anderen mitlernen und sich gegenseitig im Kreativprozess anfeuern und stärken können.

Die eigene Story entwickeln?

Geht es darum, Ihre eigene Geschichte zu entwickeln? Zum Beispiel im Rahmen einer Positionierung der Marke (z.B. für Ihr Unternehmen, Ihre Abteilung oder als Gründer für sich selbst), dann ist ein individuelles Setting hilfreicher, weil Sie sich auf Ihre Story fokussieren können und intensive Begleitung erfahren. Gut ist es auch in Ihrem homogenen Team, z.B. der Kommunikationsabteilung.

Konflikte angehen:

Wer sich das allererste Mal mit „Was ist ein Konflikt und wie vermeide ich solche Situationen?“ auseinandersetzen möchte, ist im Schutze der Gruppe gut aufgehoben. Durch die Sicht der Anderen und die Vielfältigkeit der Themen lässt sich hilfreiches Grundwissen einfach aneignen. Weiterer Vorteil: Man braucht sich selbst nur soweit zu outen, wie es angebracht scheint. Man kann ein bisschen mitschwimmen. Wer genau mit seinem Thema auf den Punkt kommen möchte, braucht eher „gezielter mehr“ durch eine individuelle Beratung oder ein Coaching.

Einzel oder Gruppencoaching?

Soziale Rolle und Status: Wer darf wissen, dass Sie sich fortbilden oder coachen lassen?

Gleich und gleich gesellt sich gern… Teammitglieder eines Unternehmens können zusammen lernen, weil sie ihre eigenen Fälle gemeinsam beleuchten. Durch die Spiegelung in einem professionellen Workshop-Setting erreichen sie oft mehr gemeinsam als alleine. Das Gelernte bleibt im Team länger hängen und wird in den Alltag integriert. Man erinnert sich gemeinsam.

Ranghohe Führungskräfte wie Vorstände oder Manager der ersten oder zweiten Reihe gehen Themen lieber allein an: Wer will schon gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eingestehen, dass er oder sie irgendwo fachliche, soziale oder emotionale Defizite hat? Sei es bei neusten Entwicklungen rund um Content und Social Media oder Coaching. Da ist die Privatsphäre im kleinen Rahmen gefragt.

Geht’s ans Eingemachte – immer individuell coachen:

Unsere Wahrnehmung ist, dass fast jeder Konflikt, den Businesskunden an uns herantragen, mit dem eigenen Familiensystem zu tun hat. Der Konflikt ist häufig nur ein Symptom für ein Muster, das immer wieder einmal auftaucht. Aufgrund unserer lösungsorientierten Arbeitsweise kommen wir schnell auf das zentrale Thema. Passiert dies in einem Teamsetting, sollte man an dieser Stelle nicht weiter gemeinsam arbeiten, sondern der Führende sollte den weiteren Weg erst einmal allein weiter mit uns gehen. Manchmal ist es sinnvoll, auch weitere Teammitglieder allein zu coachen: Denn jeder hat sein eigenes Muster. Und wenn unterschiedliche Vorstellungen aufeinander knallen, kann es sein, dass daraus ein Konflikt entsteht, der aber nur auf der oberflächlichen Ebene mit den Kollegen zu tun hat. Ist dieses Muster verändert, kann eine gemeinsame Teamentwicklungsmaßnahme ein wichtiger Meilenstein oder Abschluss auf dem Weg zu besserer Team-Performance sein. Sie sehen: Der sorgsam gewählte Mix aus Gruppenarbeit und Einzelsetting kann der Königsweg sein!

„Gleich und gleich gesellt sich gern“ kann es aber auch bei Vorständen und Führungskräften heißen:

Wenn sich solch ein Kreis Gleichrangiger findet, gern auch mal branchenübergreifend oder überregional, verspricht das Lernen auf Executive-Ebene maximalen Nutzen. Das Ganze ohne Gefahr des „Geheimnisverrats“, weil jeder in der geschützten Atmosphäre der Gruppe agiert; die Herausforderungen oder Probleme rund um Führen, ehrgeizige Wachstumsziele des Hauses, Restrukturierungen etc. aber übergreifend ähnlich sind.

Unterschiede ziehen sich an:

Wie unterschiedlich bearbeiten Vertriebler, IT-Leute, Marketingleute, Entwickler, Handwerker, Servicekräfte etc. ein Thema? Freie Seminare zu bestimmten Themen bieten die Chance, komplett aus der Komfortzone zu gehen und von den Anderen zu lernen. Unsere Erfahrung ist, dass manchmal Techniker ein Problem ganz anders angehen als es Marketingleute tun. Das ist spannend. Unser Hinweis: Da sich der Leiter oder Dozent auf unterschiedliche Wissens-Level einstellen muss, ist für manchen Experten vielleicht zu wenig Fachlichkeit enthalten, wenn er in eine gemischte Gruppe geht. Dafür profitiert er dann aber vielleicht vom Gruppenspirit und von überraschenden Ergebnissen durch die personelle Vielfalt.


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