Wie Ihre Workshops erfolgreicher laufen

von Gudrun Jay-Bößl

Kreativität bitte immer passend zur Strategie

Neulich habe ich gehört, dass ein Trainer seine Seminarteilnehmer (Thema war: Umsetzung einer übergeordneten Strategie) die letzten Jahre im Unternehmen zurückblicken ließ. Sie sollten das, was ihnen dabei aufgefallen ist, auf ein Flipchart malen oder mit ein paar Requisiten darstellen. Die Aufgabe lautete: Was hat sich in den letzten Jahren verändert, wie nehmt ihr das wahr?

Die Teilnehmer zeichneten ihre Wahrnehmung mit bunten Stiften und sehr vielfältigen Motiven auf ein Flipchart. Bei der Präsentation gab es auch viel zu lachen, wurde mir berichtet, und war eine ganz „nette Übung“ für das Team. Optisch, das konnte man gut sehen, mündete das Ganze aber in einem recht gleichförmigen, unifarbigen Fluss: Gerade als es um die Gegenwart ging, sah alles recht monoton und eben nicht mehr bunt und vielfältig aus.

Das Ergebnis wurde dann stehen gelassen und nicht weiter vertieft. Dabei lieferte es doch einen sehr spannenden Einblick in Befindlichkeiten und Wahrnehmungen der Teilnehmer?! Damit wäre es ein geeigneter Anknüpfungspunkt für die weitere Arbeit am eigentlichen Seminarthema gewesen. Eine Steilvorlage geradezu: Denn die Teilnehmer hatten ihre „Zukunftsskepsis“ und vorhandene Zweifel ja recht offen dargestellt. Aber das fand nicht statt – man wollte nur eine „nette gemeinsame Stimmung erzeugen“, hieß es.

Ich habe dann gefragt: Was wäre passiert, wenn das Ergebnis noch negativer (aus Sicht der Teilnehmer zeichnete sich ja eine gewisse Monotonie ab) gewesen wäre? Und woran lag es, dass gar nicht an dieser Übung weitergearbeitet und reflektiert wurde? Uups – diese Fragen hatte sich in der Vorbereitung keiner so recht gestellt. Daraufhin kamen wir in eine strategische Ziele-Diskussion.

„Führe nie jemanden in etwas hinein, ohne zu wissen, wie du die Leute wieder herauskriegst!“

„Wieso, das passiert doch dauernd?!“ sagte mir neulich eine andere Trainerin, als ich ihr von diesem Fall erzählte. Tatsächlich erlebe auch ich häufiger, dass bei der Planung von Seminaren und Workshops eher von den Methoden her geplant wird. Anstatt vom Ziel ausgehend zu fragen: Was will ich mit dem Workshop als Ganzen und jeder einzelnen Maßnahme darin denn eigentlich verändern?

Das finde ich ehrlich gesagt erschütternd. Denn ein solch – ich nenne es mal „aktionistisches“ Handeln erzeugt doch zwangsläufig Irrwege, vielleicht sogar Unverständnis der Teilnehmer mit dem, was sich im Workshop abspielt. Es ist Ressourcen-Verschwendung, weil und wenn es nicht zielführend ist.

Beim strategischen Workshop-Planen steht die Frage nach der wahrscheinlichen Auswirkung jeder Interaktion im Mittelpunkt. Darauf basierend erstelle ich eine Workshop-Dramaturgie – und nicht „welche Methode finde ich schön?“

Natürlich kann ich nicht auf 100 % planen, was wohl passiert. Aber eine Antizipation auf 80 % ist aus meiner Erfahrung gut machbar. Am besten lässt sich das übrigens im gemeinsamen Diskurs – Kunde und umsetzender Berater/Trainer/Coach – vordenken. Leider wird sich diese wichtige Zeit oft nicht genommen. Das Ergebnis sind dann Workshops, die die Teilnehmer frustrieren, weil sie an ihren Bedürfnissen vorbeigehen. Manchmal ist dann sogar die Erwähnung des Wortes „Workshop“ verbrannt. Darum mein Plädoyer: Erst planen – und sich dafür Zeit nehmen – und dann machen.

Die Planung für einen solch zielgerichteten Workshop umfasst bei Profis circa die Hälfte der Zeit für den eigentlichen Workshop. Dieser Aufwand lohnt sich.

workshops erfolgreich

Vom Nachdenken zum Vordenken – hilfreiche Fragen für die Seminar- und Workshop-Planung

Um strategisch zu denken, stellen wir folgende Fragen (uns selbst und dem Auftraggeber):

  • Was ist das ausformulierte, positive und präzise Ziel der Maßnahme?
  • Woran merken wir, dass wir dieses Ziel bei den Teilnehmern erreicht haben?Was ist dann anders? Was ist dann möglich?
  • Wo befinden sich die Teilnehmer jetzt: Was wissen sie, was denken sie, was fühlen sie? Wo werden sich Hindernisse auftun? Mit welchen Risiken muss ich rechnen?
  • Welche Lösungsansätze gibt es schon, welche Ideen bringt einer der Beteiligten mit?

Manchmal muss man „in den Schmerz gehen“, um etwas zu verändern.

„Erfolg verhindert Veränderung“ heißt es: Denn wenn man ausschließlich auf das Positive schauen würde, käme man zwar an die Ressourcen der Beteiligten heran. Aber nicht unbedingt an das Veränderungspotenzial, das hinter nicht funktionierenden Abläufen steckt. Im Sinne von „Was kann ich anders machen?“ Konkret kann sich das auf Projektabläufe, Geschäftsprozesse aber auch hinderliche Gedankenmuster beziehen.

Darum schauen wir also auch auf die negativen Prozesse: Das, was nicht rund läuft. Das ist eine detailreiche Kernerarbeit und für oberflächliches schnelles Hingucken nicht geeignet. Aber: ich komme so an die konkreten Stellhebel, da, wo es anfängt, falsch zu laufen. Genau das kann ich dann verändern. Gemeinsam mit unseren Kunden, Klienten oder Coachees entdecken wir dann zusammen neue Wege, die zum Ziel führen. Ob im Workshop oder auch in der Einzelarbeit: So wird es effizient.


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