„Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“

von Gudrun Jay-Bößl

 

Im Folgenden finden Sie eine Herangehensweise, die Ihnen aus der Entscheidungsfalle helfen kann!

„Wir müssen noch drüber nachdenken …“

Weiter in unserer Geschichte: Statt nach einer Woche melden, passiert erstmal nichts. Das kündigt schon das Ende an. Dann eine Antwort: Es wird nichts.

Nichts mit Veränderung oder Neuem: Entweder der Ober-Chef will es doch nicht, obwohl er seine Leute damit erst wild gemacht hat. Oder es sind die Verhältnisse – die Prioritäten, die sich über Nacht geändert haben. Oder die Ressourcen. Oft ist es auch nachträglich sichtbar gewordene Unsicherheit, ob das Geplante wirklich das Richtige ist.

Ich verstehe, dass die Beteiligten vorsichtig mit ihren Budgets und Ressourcen umgehen möchten. Aber eine Lösung findet sich nicht dort, wo das Problem ist.

Meine Wahrnehmung: Der Kunde, der ja eigentlich was Neues machen wollte, und das Präsentierte gut fand, bleibt in diesem Prozess etwas hilflos zurück. Eine Lösung hat er nicht; sein Problem ist noch da. Frust auf allen Seiten. Was könnte helfen?

Was kann ich als Kunde verändern, was nicht?

Was Sie hier im Folgenden finden, ist nicht mehr aus der Sicht einer PR- oder Marketing-Dienstleisterin geschrieben, sondern aus der Rolle als beratende Sparringspartnerin auf Augenhöhe.

Wer sich dafür interessiert, etwas ungewöhnliche, aber effektive, neue Wege zu gehen, um raus aus dieser Ohnmacht des Nicht-Handelns zu kommen, darf weiterlesen J

 

 

1. „Wenn etwas nicht funktioniert, tue etwas Anderes, was zum Ziel führt“

  • Frage: Sind Sie bereit, etwas anders zu machen? Oder noch mal das Gleiche mit einem anderen Dienstleister?

2. Das Machbare angehen, das Nicht-Machbare akzeptieren

  • Wenn sich die Prioritäten „von oben“ ändern, kann ein Kunde aus meiner Erfahrung in dieser Angelegenheit nichts (mehr) machen.
    Das gilt auch, wenn man kein Geld hat. Beim Bäcker bekomme ich auch keine Brötchen, wenn ich nicht Cash aus der Täsch dabei habe.

  • Er/Sie muss es akzeptieren und warten: Bis sich die Prios wieder ändern, eine neue Struktur kommt oder ein neuer Chef. Kunden, die ihr Vorhaben „lieben“, legen es in die Schublade und warten.

  • Mutige benennen ihr Vorhaben um und versuchen es nach einer Weile noch mal.
    Wer sich aber auf das Machbare fokussiert, kommt mit einem klaren Ziel und einem definierten Prozess dorthin weiter.

3. Ein messbares Ziel definieren, um die Unsicherheit zu reduzieren

  • Wir Deutsche sind Weltmeister im Definieren von Prozessen, ohne das Ziel eingeschärft zu haben. Wo wollen Sie denn genau hin? Wie sieht das Ziel aus, wie fühlt es sich an? Und woran erkennen Sie, dass Sie Ihr Ziel erreicht haben? Was ist dann anders?

  • Mein Vorschlag: Dieses Ziel gründlich ausarbeiten. Das dauert, wenn man es lösungsorientiert angeht, zwischen zwei Stunden bis zu einem Tag (in der Gruppe).

  • Vorgehen: Man legt ein langes Seil auf den Boden, definiert an einem Ende des Seils den Ort (Zeitpunkt) des Ziels und am anderen Ende, wo man jetzt, in der Gegenwart, steht. Man schaut anschließend, welche Details das Ziel umfasst und wie die Schritte dorthin aussehen: Diese Investition ins inhaltliche Ziel lohnt sich und sollte bei jedem größeren Vorhaben „drin“ sein.

  • Werfen wir kurz in die Literatur … Wie sagt die Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“? „Wenn du nicht weißt, was dein Ziel ist, ist es auch egal, wo du langgehst.“

4. Umgang mit Zweifeln auf dem Weg zum Ziel

  • Hinter jedem Zweifel, Vorhaben, die man umsetzen möchte, dann doch nicht zu tun, steckt eine positive Absicht. Beispiele: Der Kunde möchte Geld sparen. Oder es vernünftig investieren, in das Richtige. Oder er möchte etwas selbst gestalten.

  • Jeder Zweifel wird auf eine Karte geschrieben und auf das lange Seil, das den Weg zum Ziel darstellt, gelegt.

  • Hintergrund: Nur Zweifel, die ausgesprochen werden, sind bearbeitbar. Vermutungen helfen nicht weiter. Ehrlichkeit ist gefragt.

5. Der Berater fragt – der Kunde findet die Antworten dazu

  • Was ist die positive Absicht, die den Zweifel aufkommen ließ? Was gilt es zu bewahren, zu schützen, zu bedenken? Alles darf bzw. soll gesagt werden.

  • Dann wird zu jedem Zweifel und seiner positiven Absicht eine Lösung erarbeitet. Oder zwei.

  • Sind alle Zweifel so in Lösungen gewandelt, tritt der Kunde den Weg zum Ziel an. Mal kurz ins Ziel reinspüren – „Probehandeln“ – vielleicht kommt noch was hoch? Nein, gut, sonst: Genauso bearbeiten wie oben dargestellt.

6. Wollen Sie die neue Form der Zielearbeit einmal ausprobieren?

  • Der Vorteil: Es finden sich schöne, neue, manchmal auch unerwartete aber konstruktive Wege aus der Sackgasse.

  • Nachteil bei dieser Arbeit: Man macht sich auf seinen eigenen Weg. Die eigene Verantwortung ist gefragt – raus aus dem Jammern, rein ins Tun.

  • Und: Es kann durchaus sein, dass eine Rest-Unsicherheit bleibt, weil man ja nicht alles beeinflussen kann. Dazu haben meine Ausbilder bei Metaplan mal gesagt. „Entscheidungen werden immer in Unsicherheit gefällt“. Ja – und viel kann man dafür tun, diese Unsicherheit zu minimieren. Siehe oben …

  • Last but not least: Nur Bewegung schafft Bewegung. Wer diesen ungewöhnlichen, aber effektiven Weg ausprobieren mag, möge sich melden.