Bald keine Chips mehr?

von Gudrun Jay-Bößl

Im Fokus der Besucher: Die niedrigste Kartoffelernte – und wie gehen die Profis damit um, dass Verbraucher immer schönere Kartoffeln haben wollen, aber ohne chemischen Pflanzenschutz?

Chefin Gudrun Jay-Bößl, auch als freie Journalistin aktiv, erfuhr Neues auf dem Presse-Rundgang. 

Es war ein Ausflug in meine alte Heimat …
Schließlich komme ich aus Springe am Deister: Für zwei Tage die Kartoffel-Metropole Europas. In munterer Folge stellte uns Martin Umhau, Aufsichtsratmitglied der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft DLG und selbst Landwirt, während des Presse-Rundgangs einige Highlights auf der Freilandausstellung vor. Natürlich drehte sich viel um die lange Dürrezeit und „die niedrigste Kartoffelernte ever“, wie Martin Umhau meinte. Aber wir lernten auch jede Menge über Menschen und Maschinen rund um die Knolle.

Für mich besonders spannend, wie unterschiedlich sich die Unternehmen und Verbände präsentierten: Von interessantem Input und knackigen kurzen Statements bis zur informationstechnischen Null-Nummer war alles dabei. Was für ein facettenreicher Einblick in das „how to“ praktischer PR-Arbeit der Unternehmensvertreter …

8 Stationen durch den Staub
Im fröhlichen Trüppchen taperte unsere circa 20köpfige Gruppe zum ersten Stand: „Treffpunkt Öko-Kartoffel“. Vertreter aus Wissenschaft und Praxis waren hier vor Ort. Kernbotschaft der Vortragenden: Niedersachsen will Agrarland Nummer Eins sein – sowohl in konventioneller als auch bei der ökologischen Landwirtschaft. Man vertrüge sich gut und sei im „wackeren Wettstreit“. Aha.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen begrüßte uns mit einer Frage: „Wissen Sie, was für eine Maschine das ist?“ Das Teil auf dem Tisch ist dafür da, zu erforschen, ob die Kartoffel gesund ist –indem man die Blätter auspresst und analysiert. Kraut wird heute auf verschiedene Art entfernt: zerhackt, zerschlagen, mit Hitze oder Hochspannung. „Die Kartoffel auf dem heißen Stuhl“ hieß es.

Vertreter der Landwirtschaftskammer und aus dem Landwirtschaftsministerium erläutern uns die Maschine zur Krautanalyse.

Eine echte Majestät – Niedersachsens Heidekönigin in Action
Bei einem Kartoffelroderhersteller begrüßte uns sogar eine „echte Hoheit“ – die niedersächsische Heidekönigin. Das passte zur Kartoffel, die die Königin der Feldfrüchte (vor der Zuckerrübe!) sei, natürlich perfekt. Interessant: Der Vertreter des Herstellers sprach von keinen Umsatzeinbußen – trotz der niedrigen Erntezahlen.

Eher kurz, aber sehr sympathisch fiel das Statement eines Schlepperherstellers aus. Der nette Geschäftsführer lud uns ein, später zum Pressetalk noch mal zu kommen.

Charmant führte Martin Umhau (li.) die Pressevertreter über die Potato. Hier begrüßt er die Heidekönigin von Niedersachsen und einen Unternehmensvertreter des Roderherstellers.

Cool war‘s bei Grimme
Etwas länger waren wir bei Grimme auf dem Stand: Philipp Grimme nahm sich ausführlich Zeit, um Trends zu erklären und aufzuzeigen, wohin es mit der Digitalisierung gehen kann. „Aber der Fahrer wird als letztes entfallen – man braucht den Menschen und die Automatisierung kann die Arbeit erleichtern“, meinte der Junior-Chef. Toll fand ich die Idee, dass sie mit einem Kooperationspartner zuerst nicht das Bedienterminal einer neuen Maschine entwickelt haben, sondern erst ein „Klick-Dummy“ bauten, um die Usability zu checken.

Philipp Grimme (re.) vom gleichnamigen Landmaschinenhersteller für Kartoffel-, Rüben- und Gemüsetechnik eröffnete spannende Zukunftsszenarien für Agrarier.

Salat versus „Einditschen“
Weiter ging‘s zu einem Saatguthersteller. Wir erfuhren, dass Belana die beliebeste Sorte in Deutschland ist. Sie ist von November bis Juni verfügbar. Und, dass wir Nordlichter eher Salat-Kartoffeln mögen – und die Menschen im Süden ihre Knollen eher „einditschen“, also andere Sorten favorisieren.

Sortierbetriebe mit lernenden Maschinen
Was früher die Oma machte, erledigt heute eine Maschine: Nach Größe und Optik sortieren, sekundenschnell – riesige Mengen. Die Präzision der Maschine ist höher als die des Menschen, denn der wird müde, unmotiviert und entscheidet heute anders als morgen. „Es geht nicht darum, die schönsten zu finden, sondern zu schauen, welche gerade noch verwendet werden können,“ erläuterte uns ein Fachmann, wie das maschinelle Auge entscheidet. Um die 180.000 Euro kostet so eine Sortieranlage. Je nach Bedarf kann sie bis zu 6.000 t in der Stunde sortieren. Ganz schön schnell!

Verbände und Politik kamen zum Schluss
Wir Deutschen essen längst nicht mehr so viel Kartoffeln wie früher und kaufen sie einzeln im Supermarkt ein. Stimmt: Früher, in Springe, hatten wir im Keller einen großen Haufen, von dem Oma jeden Tag welche verarbeitete …

Was Kartoffeln mit manchen Mädchen gemeinsam haben …
Die Frage nach den Erträgen kam hier noch mal auf. Die Pommes-Hersteller haben es, so die Fachleute, wohl noch recht einfach: Sie machen die Pommes kürzer und die Preise teurer. Aber viel zählt auch die Optik. Und da, wäre es bei den Kartoffeln so wie bei den Menschen: Auch welche, die nicht optimal aussehen, werden gebraucht und verwendet. „Ein Mädchen mit Sommersprossen wird ja auch geheiratet!“ In diesem Sinne – und danke an meinen Mann.

Eure Gudrun – mit circa 257 Sommersprossen.