Warum Projekte scheitern – oder auch nicht

von Gudrun Jay-Bößl

Meilensteinmeetings machen aus einem Projektmarathon überschaubare Schritte.

 

Wer zuhause einen verstopften Abfluss hat, holt sich einen Klempner. Dieser macht seine Arbeit: Analyse, Strategie, Umsetzung, Erfolgskontrolle: Dann läuft es wieder. Wie ist das bei professioneller Projekt-Kommunikation – ist das nicht ähnlich?

 

Ist der Vergleich zwischen Klempner und Kommunikation zu gewagt?

Einmal vorweg: Sehr geehrte Sanitär-Fachhandwerker, ich kenne viele von Ihnen und schätze Sie sehr. Das Wort „Klempner“ hat für mich etwas so schön Irdisches. Darum habe ich es verwendet: Es klingt nach Machen, Regeln, Lösen.

 

Wir Kommunikationsfachleute und Coaches werden häufig ebenfalls als Klempner betrachtet – ob das positiv oder eher abwertend gemeint ist, überlasse ich Ihnen. Wir gelten als Sprach-Klempner, die komplexe Prozesse in klare und deutliche Sprache und Bilder übersetzen und etwas „heile machen sollen“. Oder als Coaches sogar als „Seelen-Klempner“, die gefragt sind, wenn es klemmt.

 

Beratung und Coaching bereichert, oder?

Interessanterweise werden wir manchmal gerufen, aber nicht um zu beraten, sondern nur zu bestätigen, wie es gehen soll. Das kann klappen, muss nicht. Denn auf einige Erfolgsfaktoren sollte man in der (Change-)Kommunikation nicht verzichten.

 

Weiterlesen, wer es wissen will

Hier finden Sie ein paar Hinweise aus dem wirklichen Leben – viel Spaß beim Reflektieren, Umsetzen oder auch Sein-lassen …

 

Akteure:

  • Klären, wer am Vorhaben direkt oder indirekt beteiligt ist: Stakeholder-Analyse. Dabei die eigene Person mitdenken.
  • Die Chefs einbinden und ihre (Gegen-)Argumente wertschätzen: Sie haben gute Gründe dafür – erfragen Sie deren Interessen und integrieren Sie sie. Ohne Unterstützung aus dem „Board“ ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.
  • Die Kunden mitdenken.
  • Wenn Sie ihre Liste fertig haben, jemand anders als Perspektivenbereicherung drauf schauen lassen: Buddy-System einführen, für sich selbst und später auch für andere.

 

Anliegen, Ziel und Priorisierung:

  • Den Sinn so darstellen, dass Beteiligte auf allen Ebenen etwas damit anfangen können!
  • Woran erkennen Sie, dass Sie ihr Ziel erreicht haben?
  • Welche Risiken und Hindernisse gibt es? Nur was Sie ausgesprochen oder aufgeschrieben haben, können Sie auch verändern. Unausgesprochenes, wie Gerüchte, verselbstständigen sich und binden Energien.
  • Kleinschrittig genug sein: Die Hindernisse, die von den Beteiligten gesehen werden, eins nach dem anderen angehen: nach und nach. Ich habe schon viele Projekte gesehen, die zu groß, zu viel, zu schnell waren – und daran gescheitert sind.

 

Kommunikation von Anfang an:

  • In einem Projekt hieß es, erst machen, dann darüber sprechen. Ziel war u.a., wertvolle Mitarbeiter, die qua Fusion „hinzugekauft“ waren, dauerhaft im Unternehmen zu halten. Diese Vorgehensweise (keine Kommunikation über den Sinn, nur Maßnahmen) führte dazu, dass zum Projektende kein Einziger dieser Fachkräfte noch da war. Darum mein Vorschlag: Von Beginn an kommunizieren: Worum geht es, was haben wir vor, wie soll es gehen?
  • Wichtiges wiederholen, auf der Tonspur und crossmedial. Politikerreden haben einen Redundanzgehalt von bis zu 90%. Die Damen und Herren wissen, warum.
  • Dialoge suchen, auch Misslungenes und gut Gemeintes loben: Natürlich passieren Fehler. „Erfolge verhindern Veränderungen“ heißt es ja sogar. Aus ihnen lernen und diese Learnings kommunizieren – damit es ab da besser, leichter, einfacher gehen kann.
  • Meilensteinmeetings machen, in denen Sie nach hinten und nach vorne schauen
  • Erfolge feiern!
  • Ein Projektende bestimmen – von vorn herein: Das entspannt die Beteiligten deutlich. Denn auch ein Marathon hat ein vorher definiertes Ende. Sonst würde sich wohl kaum jemand auf die Strecke machen!
zurück zur Übersicht