Einzel vs. Gruppen-Coaching

Wie weit bin ich gefragt? Wann lieber individuelles Coaching, wann Fortbildung in der Gruppe? (Teil 2 von 2)

Verantwortung: Von Vermeidungsstrategien und Mut zum Neuen

In der Gruppe den Spiegel vorgehalten bekommen oder lieber im stillen Kämmerlein?
Abhängig vom persönlichen Selbstbewusstsein (das echte, nicht das aufgesetzte), von der eigenen Offenheit oder Vulnerabilität oder auch dem sozio-kulturellen Hintergrund, gehen Menschen komplett individuell damit um, wo, wann und wie sie die Komfortzone verlassen. Hier ist Eigenverantwortung gefragt: Sie müssen vorher einschätzen: Bei welchem Thema, möchte ich in der Gruppe lernen und nehme vielleicht auch mal kritisches Feedback in Kauf, weil ich ja was lernen möchte? Das gilt z.B. für typische Lernthemen wie „Schreiben fürs Web“, SEO, PR-Handwerk etc.

Wo brauche ich eine absolut vertrauensvolle, achtsame Gruppe?
Das kann z.B. bei Organisations- oder Familienaufstellung der Fall sein. Denn wenn Sie mit echten Stellvertretern (also Menschen, keine Stühle oder Figuren) arbeiten, müssen Sie damit rechnen, dass auch scheinbar „peinliche Wahrheiten“ einmal ausgesprochen werden. Dahinter kann ja eine große Erkenntnis stecken, wenn man sie annehmen kann.

Und welche Themen sind so sensibel, dass ich sie lieber allein mit einem erfahrenen Coach angehe?
Unser Tipp ist, zu überlegen, wie Sie vielleicht in ähnlichen Situationen schon einmal reagiert haben, wie das war, das gegeneinander abzuwägen und sich dann für das eine oder das andere Lernformat, Seminar oder Coaching zu entscheiden. Denn ein bisschen was an Veränderung soll ja passieren – und da hilft es, das vertraute Muster einmal zu verlassen.

einzel vs gruppen teil2

Intensiv kann beides sein

Auf den ersten Blick scheint die Eins-zu-eins-Situation intensiver zu sein.
Ist aber das Thema in einer Gruppe so virulent, dass es die Teilnehmer geradezu magnetisiert, ist auch hier eine hohe Intensivität möglich. Das ist häufig bei Experten-Workshops der Fall, wo es weniger um das Handwerkszeug als um das richtige „How to“, sprich die Philosophie, gehen kann.

Beispiele: Führungsthemen, Umgang mit Change, aber auch Themen wie Strategie und operative Umsetzung. Wer solchen Gruppendiskussionen aus dem Weg gehen will, entscheide sich für ein Einzelsetting, in dem er oder sie viel lernen kann: maßgeschneidert und handverlesen. Wer aber durch die Reibung mit den Anderen genau die richtige Wärme verspürt, nimmt aus einer guten Gruppe richtig was mit. Eine disruptive Veränderung ist bei beiden Formen möglich.

Blick auf die Kosten:

Wer sich für ein Seminar entscheidet, kennt den Preis aus den Unterlagen des Anbieters.
Bei einem Seminar, das individuell für eine Firma, eine Abteilung oder eine einzelne Person entwickelt wird, gibt es ein spezielles Angebot für das Anliegen: Dies ist vom Umfang der Arbeiten, der Anzahl der Berater und dem Thema bzw. Ziel abhängig. Im Businessbereich liegen solche Seminare im vierstelligen Bereich.

Beim Coaching geht es um Stunden:
Ein einzelnes Coaching, sei es als Coaching zu einem fachlichen Thema (im Sinne einer individuellen Aufschlauung) oder als persönliches Coaching (im Sinne von Persönlichkeitsentwicklung, Stressreduktion etc.) wird über Stunden kalkuliert. Die Dauer des Coachingprozesses ist ebenfalls abhängig vom Anliegen. Das entwickelt sich aber oft erst während der Arbeit. Wir haben Klienten, die einmalig kamen, weil ihr Anliegen danach erledigt im Sinne von „gelöst“ oder „positiv verändert“ war. Häufig ging es hierbei um anstehende Entscheidungen. Und wir haben auch Klienten, die wir für einen bestimmten Zeitraum begleiten – hier sind 20 bis 30 Zeitstunden, die oft in Doppelstunden genutzt werden, gang und gäbe.

Danach richtet sich die Investition:
Laut einem Blogbeitrag bei Xing-Coaches vom 19.10.2016 liegen die Kosten pro Stunde durchschnittlich bei 180 Euro im Businesskontext; im obersten Management auch deutlich höher (im Mittel bei 200 bis 300 Euro). Selbständige und Angestellte zahlen im Schnitt zwischen 100 und 200 Euro, Berufseinsteiger und Studenten zum Beispiel zwischen 75 und 125. Auch wir orientieren uns an den Faktoren Status, Anliegen und benötigte Qualifikation des Coaches.

Die Frage, ob die Investition in die eigene Weiterentwicklung teuer ist, muss jede und jeder für sich selbst beantworten.
Eine Kollegin hat mir einmal von einer Klientin berichtet, die den Preis für ein Coaching nicht bezahlen wollte, weil sie es sich nicht leisten könne. Ein paar Stunden Zeit später hat sie die Klientin in einem Schuhladen wieder getroffen, wo sie sich ein paar Stiefel kaufte, die einen höheren Preis hatten als das Coaching. Es ist eben alles eine Sache der Prioritäten, und vielleicht kann auch Schuhe kaufen eine heilsame Wirkung haben.

Lesen Sie hier den ersten Teil des Beitrages: Was ist effizienter? Individuelles Coaching oder Fortbildung in der Gruppe?