Führen im Konfliktfall – Gelassenheit statt Rot sehen

„Das merke ich mir: Im Streit innerlich einen Schritt zur Seite treten und die Sache wie von außen anschauen! So kann ich ruhiger bleiben und sachlicher entscheiden!“, meinte ein Teilnehmer direkt nach meinem Workshop auf den Landtechnischen Unternehmertagen 2018 in Würzburg. 

Innoreal Führen im Konfliktfall

Entscheidend sind der Perspektivenwechsel und Empathie

Über 60 Menschen wollten dort von mir wissen, wie man bzw. frau im Konfliktfall gelassen bleibt. Das Thema ist spannend. Übrigens: „Weniger Stress“ wünschen sich 62 % der Deutschen. Es ist der beliebteste „Gute Vorsatz 2018“.

Die zentralen Hebel sind zwei Dinge:

  1. Sich in den Anderen hineinversetzen – mit allen 5 Sinnen: Was sehe ich, wenn ich der Andere bin, was höre ich, was fühle, rieche und schmecke ich? Dann: Was denke ich – und was ist mir wichtig? So kommen Sie an seine/ihre Motive und Werte.
  2. Empathie: Die Fähigkeit, den Anderen zu verstehen, ohne ihm/ihr inhaltlich folgen zu müssen! Den Anderen als Mensch wahrnehmen – und ernst nehmen. Der Andere spürt das. So schaffen Sie die Basis, um den Konflikt zu entschärfen.

Innoreal Führen im Konfliktfall 02

Die wichtigsten Tipps auf einen Blick:

  • Gehen Sie innerlich einen Schritt zur Seite und beobachten Sie nur, was passiert. Emotional bleiben Sie auf dieser „Metaposition“ draußen. (Das kann man üben – zum Beispiel auf langweiligen Parties. Sie stellen sich einfach mal innerlich neben sich und schauen und hören, was passiert.) Kommt ein Konflikt plötzlich auf Sie zu, machen Sie diesen Schritt ebenfalls. So bleiben Sie Herr bzw. Frau Ihrer Sinne und können weiterhin klug entscheiden.
  • Weiteratmen. Klingt profaner als es ist. Denn wer in Stress gerät, will kämpfen, fliehen oder stellt sich tot. Sie können sich durch ruhiges langsames Atmen aus der Situation befreien.
  • Den Anderen sehen in seiner Situation: Kein Mensch tut etwas ohne positive Absicht. Ergründen Sie, was dem Anderen wichtig ist. Wie macht man das? Mit einer zugewandten Haltung, mit einem (freundlichen) Blick in die Augen und mit Fragen: „Was ist dir wichtig? Worum geht es dir? Was brauchst du von mir? Wie kann es gehen?“
  • Gemeinsame Werte finden. Sie werden sehen: Häufig geht es darum, anerkannt und in seinem Tun überhaupt gesehen zu werden. Wir Menschen brauchen alle Anerkennung und Wertschätzung. Wenn Sie Ihrem Gegenüber signalisieren, dass Sie ihn oder sie als Mensch o.k. finden, lässt sich auf der Sachebene eine Lösung finden. In der Brand Eins, Heft Januar, steht in einem Beitrag „Es ist ein großer Unterschied, ob ich sage: Das ist scheiße‘ oder ‚Du bist scheiße‘.
  • In der Ich-Form kommunizieren – „Ich verstehe, dass Sie mehr Zeit brauchen“, „Ich sehe, dass Ihnen bestimmte Dinge sehr wichtig sind… “ – weg von Beschimpfungen, Anmaßungen, Unterstellungen und Zurechtweisungen. Spiegeln Sie stattdessen Ihre Wahrnehmungen, ohne zu werten.
  • Klar sein. Ein Nein begründen und die Gründe transparent machen.
  • Fragen Sie nicht „Warum?“ sondern eher „Woran liegt das?“ – denn das „Warum?“ führt in der Regel zu Ausflüchten und Lügen. Die zweite Frageform „Woran liegt das?“ ist interesse-orientiert und erfragt Informationen. Auf Grund derer lässt sich die Lösung entwickeln.
  • Sich Zeit nehmen für wichtige Gespräche.