Schönen Feierabend!

Innoreal Blog work life balance 

Charlotte: Gudrun, wir haben flexible Arbeitszeiten. Wir haben eine Kernarbeitszeit von 10 bis 16 Uhr – und gegen 17.30 ist bei uns Feierabend. Ist das Teil eines größeren „Plans“ – geht es euch auch um das Thema Work-Life-Balance?

Gudrun: Ich bin keine Freundin so großer Schlagwörter, weil die Realität oft anders aussieht als die Schauseite zeigt. Wir haben schon von Beginn unserer Selbstständigkeit in den 90er an eine Philosophie gelebt und gelehrt, die nicht auf Ausbeutung sondern auf Ausgleich basiert. Ich sage immer: „Ohne Input kein Output“.

Charlotte: Was meinst du damit genau?

Gudrun: Es ist wie in der Physik. Wenn du nix reinschüttest, kommt auch nix raus. Die Leute müssen rausgehen und was erleben – mit offenen Augen und Ohren. Die Trends finden draußen statt. Oder in den Medien, Büchern lesen, mit Menschen sprechen. Das, was du da mitkriegst, kannst du in die Arbeit einbauen. Das hebt die Qualität der Arbeit. Wer bis nachts in der Agentur hockt, schwimmt irgendwann nur noch im eigenen Saft. Wir wollen weder uns noch die Mitarbeiter ausquetschen wie Zitronen. Das passt nicht zu unserem Menschenbild.

Sonka: Ich bin ja noch nicht so lange dabei. Was sagen denn die Kunden dazu, dass ihr so gegen 17.30 Uhr Feierabend macht?

Gudrun: Es hat sich noch nie ein Kunde daran gestoßen. Unsere Kunden melden sich mit ihren Vorhaben in der Regel tagsüber, dann wird das Projekt eingetaktet und mit der Arbeit begonnen. Wir informieren sehr eng, wie weit wir sind. Die Kunden finden diese Transparenz klasse, weil es ihnen Sicherheit gibt. Wir gelten als sehr verlässlich – darauf kommt es an, und nicht, ob ich abends hier noch hocke. Letztlich sind die Kunden genauso Menschen wie wir und froh, wenn sie abends und am Wochenende ihre eigenes Leben führen können.
Zurück zu deiner Frage: Wenn es mal wirklich abends noch etwas Eiliges gibt, bleiben wir selbstverständlich da. Das sind aber Ausnahmen. Mein Mann und ich arbeiten auch gern mal am Wochenende. Das ist unsere freie Entscheidung. Da haben wir unsere Ruhe. Andi macht dann Videos, ich große Texte oder Konzepte, wo ich konzentriert am Stück dran bleiben will. Das kann ich als Führungskraft hier tagsüber nicht.

Charlotte: Jetzt mal Butter bei die Fische, wie du immer sagst – was bedeutet Work-Life-Balance für dich?

Gudrun: Work-Life-Balance bedeutet für mich, auf seine eigene Gesundheit zu achten. Und: In Einklang mit seinen Zielen zu sein und mit dem, wofür ich das Ganze mache – spüre ich Sinn in dem, was ich tue?

Work-Life-Balance hat für mich zwei Aspekte: Auf „Work“ bezogen, heißt es, darauf zu achten, dass ich meine Kräfte so einsetze, dass ich genügend Zeit habe, um meinen Tank wieder aufzufüllen. Ressourcen schonen, würde ich als Coach sagen. Einfach mal 90 Sekunden aus dem Fenster starren, aufstehen, was trinken, mit den anderen quatschen.

Ulkigerweise wird selten über den zweiten Teil gesprochen: „Life“ – auch darin versuche ich, in Balance zu bleiben. Was Tolles erleben und entspannen. Für mich ist es auch entspannend, Neues zu lernen – also Fortbildungen, Fachbücher lesen, das liebe ich. Andere halten mich für bekloppt, das ist mir egal.
Wenn ich aber nachts um die Häuser ziehe, kann ich am nächsten Tag nicht meine volle Leistung bringen. Ich überlege mir einfach, was ich wann tue. So bleibe ich in Balance auf die lange Strecke hin.

Kira: Hast du Fälle erlebt, wo Work-Life-Balance doch durcheinander geraten ist, bei dir oder bei anderen?

Gudrun: Früher habe ich schlechter abgeschaltet und abends immer noch über die Jobs diskutiert. Das ist nicht förderlich. Mein Motto ist, das zu ändern, was ich ändern kann. Sich nur über das zu ärgern, was ich abstellen kann. Oder, sich nur einmal richtig zu ärgern – und dann drüber zu lachen.

In der Agentur habe ich schon viel erlebt – bei Mitarbeitern und Kunden. Dinge, die Menschen aus der Bahn schmeißen können. Fälle wie Krankheit des Partners, Todesfälle – oder auch dauerhafter Stress. In diesen Situationen gucke ich genau hin, ob und wie ich helfen kann. Ich mache Angebote – mehr geht nicht. Ich habe erlebt, dass Arbeit auch stabilisieren kann – zum Beispiel bei Liebeskummer. 
Das gehört für mich alles zu Work-Life-Balance.

Sonka: Du machst dir ja doch viele Gedanken über Führen und Work-Life-Balance- meinst du, das kriegt hier bei Innoreal jeder so mit?

Gudrun: In ander‘ Leute Köpfe gucken kann ich nicht. Aber ich denke schon, dass die Mitarbeiter es wertschätzen. Wir haben keine Stempeluhr, bei uns läuft die Arbeitszeit über eine Vertrauensbasis. Interessanterweise ist das Korrektiv, wenn was bei wem schief läuft, eher die Crew als die Chefs: Wenn wer nicht mitzieht, meckern die Kollegen. Wenn wer zu viel macht, gibt es – von allen – die Ansage „Jetzt geh aber nach Hause, komm mit!“. Wir geben hier die Struktur vor, an der man sich orientieren kann.

Kira: Welche Tipps gibst du Unternehmen, die die Work-Life-Balance in ihrem Betrieb verbessern wollen?

Gudrun: Hm … Ich hätte beinahe Boss Undercover gesagt (lacht). Sich in den Anderen hineinzuversetzen – gucken, wie die Leute drauf sind. Einen klaren Rahmen vorgeben – als Führungskraft da sein, zuhören und fragen. Dazu gehört auch der regelmäßige Austausch, über Projekte und mehr. Und versuchen, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Sei es, wenn es darum geht, volles Engagement zu zeigen, aber auch, um mal sagen zu können: Jetzt ist aber Feierabend für heute! 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kira: Welche Tipps gibst du Unternehmen, die die Work-Life-Balance in ihrem Betrieb verbessern wollen?

Gudrun: Hm … Ich hätte beinahe Boss Undercover gesagt (lacht). Sich in den Anderen hineinzuversetzen – gucken, wie die Leute drauf sind. Einen klaren Rahmen vorgeben – als Führungskraft da sein, zuhören und fragen. Dazu gehört auch der regelmäßige Austausch, über Projekte und mehr. Und versuchen, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Sei es, wenn es darum geht, volles Engagement zu zeigen, aber auch, um mal sagen zu können: Jetzt ist aber Feierabend für heute!